Zusammenführung von Expertisen - Die Kerngruppe

flowerNaturschutzpraxis & Biodiversität - Dr. Matthias Wichmann
Von Hause aus bin ich Botaniker und Populationsbiologe. Für das UFZ Halle-Leipzig erforschte ich in einer Modellierungsarbeit den Einfluss von Klimawandel und Landnutzung auf Raubvögel. Am CEH Großbritannien erkundete ich wie Pflanzensamen und kleine Tiere vom Menschen ausgebreitet werden (Wanderer transportieren Samen über 5 km!) und an der Unteren Havel führte ich vegetationsökologische Dauerbeobachtungen durch. Zahlreiche Mücken, Nachtaktive Jagdspinnen, fluoreszent gefärbte Samen und immer wieder beeindruckende Landschaften sind meine schönsten Erinnerungen. Dazu gehört jetzt auch die Morgenstimmung über der blühende Heide.
Als Projektmanager (bis Oktober 2017) bei der Heinz Sielmann Stiftung habe ich den erfolgreichen Start von NaTec sichergestellt, Betretungsgenehmigungen, Einsatzbedingungen und Unterstützung mit Landkreis und Kommunen, mit Landesamt für Umwelt und Bundesforst organisiert. Ich habe die Recherche und Auswahl von Zielarten und Techniken für die Habitatmodellierung vorangetrieben und die vielseitigen Restriktionen für den Einsatz der Heidepflegemaschine mit unseren Zielen zusammengeführt. In meiner neuen Funktion als Leiter Sielmanns Naturlandschaften Brandenburg bleibe ich NaTec eng verbunden und werde mich mich weiter für die erfolgreiche Durchführung einsetzen!
Meine Vision für die Projektzukunft: November 2022. Einer der noch nicht zuvor gemähten und entkusselten Abschnitte. Der LRT 4030 trockene europäische Heiden ist hier einem schlechten Zustand wie uns unsere inzwischen etablierten Such-Algorithmen aus den neuesten Satellitenbilder berechnet haben. Vor Ort erkennen wir tatsächlich, das hier dringend Hand angelegt werden muss, um den FFH-Status zu erhalten und ein Strafverfahren der EU zu vermeiden. Eine UAV ("Drohne") fliegt über die Heide und erkundet das Gelände für die nachfolgende Heidepflegemaschine (HPM). Im letzten Jahr konnten wir mit Hilfe einer umfangreichen Spende das dritte, weiter verbesserte Exemplar der HPM bauen. Langsam aber stetig setzt sich die ferngesteuerte HPM mit ihren sechs einzeln gesteuerten Rädern in Bewegung. Sie schmiegt sich an die ersten Bodenunebenheiten , schneidet die Heidesträucher bodennah zurück und zieht ohne Anzuhalten die erste junge Kiefer aus dem Boden...

flowerGeofernerkundung & Ökologie Foschung - Dr. Carsten Neumann
Ich habe Geoökologie an der Universität Potsdam studiert, weil ich wissen wollte wie die Schönheit eines Augenblickes in der Natur durch die Komplexität seiner Bestandteile erklärt werden kann. Bald fand ich heraus, dass der Blick von oben eine neue Perspektive für die Beobachtung räumlicher Zusammenhänge in der Ökologie eröffnete. Und so schloss ich meine Promotion im Bereich Geofernerkundung am Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der TU Berlin ab. Ich untersuchte über das Verfahren der Bildspektroskopie ob einzelne Pflanzenarten sich über charakteristische Muster im reflektierten Sonnenlicht unterscheiden lassen. Ich konnte zeigen, dass Pflanzenarten und weitere Vegetations- und Bodenparameter im Bild durch individuelle Muster ihres reflektierten Sonnenlichtes abgebildet werden können.
Im Grunde genommen erstelle ich für solche Abbildungen statistische Modelle. Ich füttere Algorithmen, die dem Naturschützer sagen sollen wo etwas wächst und welchen Zustand bestimmte Lebensräume aufweisen. Im NaTec Projekt möchte ich diese Modelle erweitern und für den Naturschutz zugänglich machen. Ich möchte zeigen, dass unterschiedliche Naturraumeigenschaften mit einer Vielzahl von bereits existierenden Sensoren beschrieben werden können. Es geht mir darum Karten zu liefern, die die ökologische Dynamik von Arten und Lebensräumen darstellen, denn der Mensch muss lernen wie Biodiversität entsteht um sie erfolgreich schützen bzw. entwickeln zu können.
Meine Vision für die Projektzukunft: Sommer 2150. Eine Schulklasse besucht das Naturschutzministerium, eines der größten Abteilungen der Europäischen Zentralregierung. Auf einer digitalen Leinwand erscheint ein dicht geflochtenes Netz aus grünen Flächen über einer Europakarte gesponnen. Der Bereichsleiter "Monitoring" erklärt den Schülern: "Hier seht ihr das Netzwerk an Schutzgebieten, welches Europa zu 63.3% bedeckt. Jedes Gebiet wird nach individuellen Entwicklungszielen über autonom agierende Androiden gepflegt. Satelliten berichten täglich über die Veränderung des Erhaltungszustanden und leiten die Androiden zu den Pflegemaßnahmen" Ein Junge deutet auf eine rot markierte Fläche auf der Leinwand und fragt was es damit auf sich hat. Der Bereichsleiter antwortet stolz: "Das ist die Kyritz-Ruppiner Heide, in der alles begann, in der man begriff das die Technologien des Menschen aktiv für den Erhalt von Arten eingesetzt werden können."

flowerFeldkartierung & Lebensraumbewertung - Dipl. -Agr.biol. Gabriele Weiss
Studiert habe ich Agrarbiologie in Stuttgart-Hohenheim , seit 13 Jahren bin ich Geschäftsführerin eines Gutachterbüros. Als Berufsbezeichnung passt am besten Vegetationskundlerin, da ich mich mit den unterschiedlichsten Aspekten von Pflanzenarten und Pflanzenbeständen beschäftigt habe - angefangen mit der Ausbreitung von Arten, Bodensamenbanken, Keimungsbiologie, über Ökologie, Standortansprüche und Nutzungseinflüsse, Auswirkungen von Gentechnik auf die Biodiversität, über Monitoring und Kartierung von Pflanzengesellschaften, Biotopen und Lebensraumtypen bis zur Planung und Umsetzung von Maßnahmen, um gefährdete Bestände zu fördern. Schon im Vorgängerprojekt habe ich den botanischen Teil bearbeitet.
Im Projekt NaTec bilde ich gemeinsam mit Carsten Neumann das kreative Team des Fernerkundungsmoduls. Wir entwickelten im Vorgängerprojekt ein Modell, um die Vegetation trockener Sandstandorte auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Döberitzer Heide fernerkundlich abzugrenzen und zu charakterisieren. Dieses Modell soll im Projekt NaTec an andere militärische Gebiete und weitere Pflanzenbestände angepasst werden. Unser Hauptgebiet wird die Kyritz-Ruppiner Heide sein. Meine Aufgabe ist dabei die terrestrische Bearbeitung der Vegetation. die Hauptaufgaben liegen dabei in der Auswahl der Flächen und Methodik der Erfassung, Aufnahme der Arten und ihre Zuordnung Pflanzengesellschaften, Biotoptypen oder Lebensraumtypen. Zugleich muss immer wieder zusammen mit den Fernerkundlern abgestimmt werden, wie die terrestrischen Daten mit den fernerkundlichen Daten in Einklang zu bringen sind.
Meine Vision für die Projektzukunft: November 2022. Wir haben es geschafft, die verschiedenen Vegetations- und Nutzungsstadien der Heidelandschaft wie Sand- und Flechtenrasen, verschiedene Stadien der Heidekrautheiden, Vorwälder, Wälder und Forste fernerkundlich zu unterscheiden, Beeinträchtigungen zu bewerten und die Dringlichkeit von Pflegemaßnahmen abzuschätzen. Die Software ermöglicht es, auch Heiden in anderen Teilen Deutschlands nach einer Kalibrierung satellitengestützt zu managen. Die Methodik ist auch bei der Differenzierung von Pflanzenbeständen frischer bis nasser Standorte in der Normallandschaft weitergekommen. Im Offenland unterstützt die Methode die terrrestrischen Kartierer bei der Abgrenzung von LRT mit unterschiedlichen Habitatstrukturen und Beeinträchtigungen...

flowerLandschaftspflege Technologie - Dipl. -Ind. Designer Herbert Riemann
Nach dem Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee begann ich nach einer dreijährigen Tätigkeit in einem Ingenieurbüro als selbständiger Industrie-Designer zu arbeiten. In den ersten Jahren war ich vor allem im Bereich der erneuerbaren Energien tätig, in den letzten Jahren entwickelte ich innovative Mobilitäts- und Logistiklösungen. Daneben entwickelte ich Produkte in vielen Bereichen: Schulmöbel, Lehrsysteme für Hochschulen, Pflanzenkläranlagen, Licht- und Haustechniksysteme.
Seit über 20 Jahren arbeite ich als selbständiger Industrie-Designer an vielen interessanten Produktentwicklungen. Dabei kümmere ich mich nicht nur um die äußere Hülle sondern beginne die Entwicklungen am liebsten von der Konzeption, über viele weitere Schritte bis hin zum fertigen Prototyp und Produkt.
Ich bin daran interessiert, dass gerade bei technischen Entwicklungen für den Naturschutz auf nachhaltige zukunftsfähige Lösungen geachtet wird. Dies beinhaltet sowohl die Anforderungen an die Maschinen in Fragen des Energieverbrauchs, Ihrer Emissionen, ihres Lebenszyklus aber auch die Pflegetechnologien selbst, die exemplarisch schonenden und intelligenten Naturschutz ermöglichen sollten.
Meine Vision für die Projektzukunft: Sommer 2050, eine Schulklasse aus Szczecin ist gerade beim Picknick in mitten der Kyritz-Ruppiner-Heide, als einige Schüler von einer seltsamen Maschine berichten, die sie hinten am Waldrand entdeckt hatten. Ein freundlicher Mitarbeiter der Euroforst erzählt den Kindern auf polnisch, dass hier früher überall Bomben im Boden waren und man die wunderschöne Heide nicht betreten durfte. Die Maschine wurde ferngesteuert, nur so konnte die Heide damals erhalten werden, jetzt soll sie ins Museum...