Das Ökosystem der Trockenen Europäischen Heide


flowerDie trockene europäische Heide ist gemäß der FFH-Richtlinie der Europäischen Union ein geschützter Lebensraumtyp (LRT). Typisch für diesen Lebensraumtyp sind baumarme oder -freie, niedrigwüchsige Vegetationsbestände dominiert von Besenheide (Calluna vulgaris) in verschiedenen Stadien (Pionier-, Aufbau-, Reife- und Degenerations-Phase). Meist sind die Bestände mosaikartig von Sandtrockenrasen und offenen Sandflächen durchzogen, welche sehr reich an Moosen und Flechten sein können. Weitere typische Pflanzenarten in Heiden sind Zwergsträucher (Genista spec.), Frühjahrsblüher, verschiedene Gräser und vereinzelt Bäume wie Kiefer (Pinus sylvestris), Sand-Birke (Betula pendula) und Eiche (Quercus robur x petraea). Daneben gibt es viele charakteristische Vogelarten, darunter den Wiedehopf (Upupa epops), die Heidelerche (Lullula arborea), den Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) und Reptilien wie die Kreuzotter (Vipera berus) und die Zauneidechse (Lacerta agilis). Außerdem zahlreiche wirbellose Tiere wie die Heidekraut-Sandbiene (Andrena fuscipes), die Heidekraut-Seidenbiene (Colletes succinctus), die Heideschrecke (Gampsocleis glabra), die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens), den Kleinen Heidegrashüpfer (Stenobothrus stigmaticus), den Heideblattkäfer (Lochmaea suturalis), sowie Laufkäfer, Wanzen, Schmetterlinge und viele weitere. Viele dieser Arten sind auf die Besenheide als Lebensraum oder Nahrungspflanze spezialisiert und von ihr abhängig.

Heidegesellschaften besiedeln nährstoffarme, saure Böden und benötigen direktes Sonnenlicht sowie offenen Sandstellen zur Verjüngung. Nährstoffeinträge und Sukzession, d.h. eine Ausbreitung von Gehölzen, sorgen für einen Rückgang der lebensraumtypischen Arten. Dabei sorgen auch Heidebestände selbst ohne passende Pflege für irreversible Bodenveränderungen und führen somit zu einer Veränderung von Vegetation und Artenzusammensetzung. Eine Pflege von Heidebeständen ist darum von essentieller Bedeutung für deren Erhalt und eine hohe Strukturvielfalt innerhalb der Heide.

Text by Julian Wendler & Dr. Matthias Wichmann